Themenschilderung
Der Begriff »Raum« öffnet zunächst ein sehr weites und vielschichtiges Thema. Betrachtet man den Raum aus physikalischer Sicht, so ertreckt sich vor uns ein Körper, der durch die Dimensionen Höhe, Breite und Tiefe bestimmt ist. Ein Quader bildet so zum Beispiel einen greifbaren, anschaulichen Raum. Dieser Raum ist zunächst leer und kann mit materiellen Objekten gefüllt werden. Er existiert also als grundlegendes Ordnungsmodell und als Behälter für Materie. In der Raumdefinition von Isaac Newton war dieser Raum absolut, unveränderlich sowie unbeeinflusst von den physikalischen Vorgängen, die sich in ihm abspielen. Albert Einsteins Relativitätstheorie erforderte später eine Modifikation des Raumbegriffs. Der Raum ist nicht mehr absolut sondern vom Beobachter abhängig.
Sprechen wir umgangssprachlich vom Raum, so meinen wir meist ein Zimmer, das begrenzt ist durch Wände, Boden und Decke. Fenster und Türen schaffen dabei die Verbindung von Außen- und Innenraum. Dieser Raum existiert ganz real, die Wände machen es möglich, dass ich seine Dimensionen sehen und begreifen kann. Er ist genau definiert und messbar. Solche Räume gibt es überall, eine Stadt ist somit eine Aneinanderreihung von Räumen. Diese können öffentlich sein und somit für jeden zugänglich, z.B. als Orte, an denen man Leute treffen kann, Orte der Gemeinschaft und Begegnung. Oder der Raum ist privat, dann haben nur bestimmte Personen Zutritt – diejenigen die den passenden Schlüssel besitzen. In so einem Privatraum habe ich die Möglichkeit, mein eigenes Reich zu schaffen, ihn nach meinem Geschmack zu gestalten. Er bietet mir eine Rückzugsmöglichkeit und schützt mich vor äußeren Einflüssen. Diesen realen Räumen begegnen wir überall. Das Zimmer, in dem wir wohnen, das Büro, in dem wir arbeiten, der Supermarkt, das Fitnessstudio, das Cafe, ja selbst die Straßenbahn ist so ein Raum.
Allerdings produzieren wir durch unsere Gewohnheiten und Wege, die wir täglich gehen, auch unsichtbare Räume. Deren Tiefe und Breite würden durch geographische Koordinaten bestimmt sein, also durch Orte, an denen wir uns aufhielten. Die Höhe könnte durch die Aufenthaltsdauer definiert sein. Weiterhin könnte man diese »Gewohnheitsräume« einteilen in Privatraum, Arbeitsraum, Freiraum etc., je nach Art der Tätigkeit in diesen gedachten Räumen. Genauso fiktiv sind auch virtuelle Räume, wie man sie im Internet finden kann. In sogenannten Chatrooms kann man sich anonym mit anderen Personen unterhalten, z.B. in den Internet-Plattformen SecondLife, Facebook, Myspace.
Desweiteren dient der Raum auch als Modell, um etwas besser zu beschreiben. Der Freiraum zum Beispiel ist nicht wirklich als Raum im klassischen Sinne zu begreifen, sondern gründet für einen Menschen prinzipiell in der Möglichkeit, seine Identität wahrzunehmen und zu entwickeln. Man könnte diesen Raum natürlich auch als einen Körper oder eine Hülle begreifen. Wie würde dieser Raum dann aussehen, und was würde passieren, wenn sich die jeweiligen Freiräume von zwei oder mehr Personen berühren oder sich gar überschneiden? Auf diesen Raum wirken äußere Kräfte, somit ist er nicht starr, sondern er verändert sich ständig.
Eine zentrale Rolle spielt der Raum auch in der Gestaltung, vor allem im Ausstellungs- und Museumsdesign. Hier werden Bedeutungsräume, Erlebniswelten und Erkenntnisorte geschaffen, die auratisch, informativ und er zählend zugleich sind. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Einsatz von digitalen Medien. Diese ermöglichen einen direkten Zugang zu einem Thema und machen es sogar erlebbar. Dabei wird der Besucher der Ausstellung selbst aktiv und wird somit vom Betrachter zum Benutzer.
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Motivation
Während meines Studiums habe ich immer wieder – mehr oder weniger bewusst – Konzepte entwickelt und Projekte realisiert, die sich mit dem Raum auf unterschiedlichste Weise beschäftigen. Bei dem Projekt »Rauchzeichen« können Botschaften direkt in den Raum geschrieben und verortet werden, die mittels eines Visors sichtbar werden. Bei »Klangstufen« werden die einzelnen Höhenstufen des urbanen Raums über eine Treppe auditiv wiedergegeben. Beim Museumsprojekt »per pedes« kann der Besucher mittels eines Laufbandes die enorm langen Strecken begehen, die die einzelnen germanischen Völker während ihrer Wanderung zurückgelegt haben. Bei den Projekten war mir immer wichtig, dass dieser abstrakte Raum über eine Metapher erlebbar gemacht wird. Der Benutzer muss aktiv etwas tun, um Informationen zu erhalten.
Nun möchte ich im Zuge meiner Diplomarbeit speziell auf den Raum an sich eingehen und mich an diesen von den unterschiedlichsten Richtungen her annähern. Dabei geht es mir nicht darum, auf jede Theorie im speziellen einzugehen, sondern die interessantesten Aspekte der einzelnen Disziplinen herauszuarbeiten, neu zu kombinieren und somit neue, erfahrbare Räume zu schaffen. Wie die Umsetzung und Gestaltung solcher Räume aussieht, steht noch völlig offen und ergibt sich aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema.